Weihnachtsgruß und Jahreslosung für das Jahr 2022

Ist das ein Kommen und Gehen in den Weihnachtsgeschichten von Lukas und Matthäus!
Maria und Josef machen sich auf, die Engel erscheinen am Himmel, Hirten eilen zum Stall, und die Weisen kommen aus dem Morgenland… .

Keine Nacht ist zu finster, kein Weg zu weit, wenn himmlische Mächte zu Jesus drängen!
In einprägsamen Bildern zeigen die Evangelisten: Glaube ist nicht „Für-wahr-halten“ oder etwas Glaubwürdigem zustimmen.
Glaube ist in der Bibel ein unwiderstehliches Reagieren-Müssen, ein Aufbrechen-Müssen ins Unbekannte, ein innerliches Getrieben-Werden auf ein Ziel hin, das für einen bestimmt wird.

Martin Luther sagt es so:
„Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich mit seinen Gaben erleuchtet, gleichwie er die ganze Christenheit auf Erden beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt und bei Jesus Christus erhält in rechtem, einigen Glauben.“ (Auslegung zum 3.Glaubensartikel)

So machen sich in den Weihnachtsgeschichten „von oben her Erleuchtete“ auf zu Christus. Die Szenarien sind wahrhaft menschlich: Mit Windeln und machtgierigen Herrschern ebenso niedrig, wie mit tapferen Eltern und diplomatischen Weisen erhaben.

Der Weg der Gerufenen ist nicht durchgeistigt, kein Exerzitium der spirituellen Erhebung auf eine neue Erkenntnis-Ebene! Nicht Gott werden sie schauen, sondern sein Heil, seinen Heiland.
Sie sind vom, nicht zum Himmel gerufen: Gott bleibt hoheitsvoll verborgen! Was ER von sich offenbart, genügt: Jesus Christus, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das Ewige Leben haben.

Matthäus und Lukas öffnen eine große Erzählung. Wir nehmen ihre Bilder auf, erzählen sie weiter und singen: „Ihr Kinderlein kommet“, und „Kommet, ihr Hirten“, „Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg“; die Kirchen im Kerzenglanz laden zu einem Weg zur Krippe.
Aber wir singen die Lieder nur wenige Tage lang. Bald ist der Glanz vorbei, die Krippe verräumt. Ist dann auch unser Ruf zu Christus vertagt, bis wir nächstes Jahr wieder in Stimmung sind und von neuem die alten Bilder inszenieren?

Nun – heuer zumindest hält die Jahreslosung 2022 die weihnachtliche Bewegung zu Christus in Gang.
Die Jahreslosung ist ein Zitat aus dem Johannesevangelium. Da geht’s – ganz und gar nicht besinnlich – in einem leidenschaftlichen Ringen wieder ums Heil, wieder um Jesus Christus.
Angefochten von denen, die seinen Anspruch verneinen, sagt er: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ (Joh 6, 37, die offizielle Version der Jahreslosung übersetzt hier mit „abweisen“.) Der Weg, die Wahrheit, das Leben sind allein in ihm. Dazu ist er gesandt. Also: „Kommet!“
Sein Weihnachten bleibt, solange wir bei ihm sind. Die Tür steht offen. Hinausstoßen wird uns Christus nie: Wir müssen nicht fort; wir dürfen uns erfüllen lassen von seinem Wort und der Verkündigung in seinem Geist.
Sind wir bei ihm, werden wir durchlässig für sein Wirken, seine Wahrheit, sein Heil. Das bringt uns zum Leuchten.

Werden wir Weggefährten der biblischen Glaubensgestalten? Machen wir uns auf, werden wir licht durch sein Licht? Sind wir ein Zeugnis dafür, wie man gerufen werden kann zu Jesus Christus und gesandt, ihn zu verkünden in den Finsternissen und Herausforderungen der Zeit, sein Wort leuchten zu lassen im Menschlichen, sei’s niedrig, sei´s erhaben? Was haben wir zu sagen von diesem Ort her – von ihm her?
Weihnachten erzählt, wie das schon genügt: Gerufen werden, kommen.
Der Rest ist Himmelswerk.

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