Texte für die Werte-Initiative von Dr. Werner Brendel

Respekt – Frühjahr 2019

Im Fränkischen ist es das Lob, das kaum noch zu überbieten ist: „Respekt!“ (Die ultimative Steigerung des grundsätzlich ausreichenden „Hat scho gebassd“.)

Ja – Respekt muss man sich verdienen – durch Leistung, durch besonderes Verhalten, Integrität, die richtige Reaktion im richtigen Augenblick. 

„Respekt“ sagt der Franke, wenn er glatt Zweifel daran hat, ob er selbst etwas überhaupt so gekonnt hätte. 

Wenn der andere sich dann auch noch bewährt, wenn er das Respektable durchhält, vielleicht wird er dann wird er dann zur „Respektsperson“. Und das ist dann wirklich, ganz ehrlich ein Ehrentitel. 

Forscher nennen das den „vertikalen“ Respekt – dass ich jemanden respektiere, über mich stelle, bereit bin, zu folgen, Weisungen annehme und vertraue. 

Wenn die Chefin, der Manager, die Unternehmensführung das schafft, sich echten Respekt zu verdienen – dann sind die Mitarbeitenden bereit zu Höchstleistungen, weil ihnen die Anerkennung von jemandem, den sie respektieren, wirklich etwas bedeutet. Und weil ein gutes Vorbild wirkt!

Nur … wie kann man sich den Respekt verdienen? 

Mitarbeitende beobachten sehr genau – eben grade, weil so viel auf dem Spiel steht. Durch Dominanzgehabe und Machtspielchen kriegt niemand „Respekt“ – sondern erzeugt nur Furcht, Misstrauen und Abwehrmechanismen. 

Eine Führungsperson, die möchte, dass man sie respektiert, muss sehr an sich arbeiten … an Charakter, Umgang, Fähigkeiten!

Aber es gibt noch eine ganz andere Art von Respekt – Forscher nennen ihn den „horizontalen“ – den auf Augenhöhe. Dass ich einen Menschen respektiere, seine Würde achte, ihn so behandle, wie ich von ihm behandelt werden möchte. 

Der vertikale Respekt, der ist wohl in gewisser Weise „natürlich“:  Gruppen, Herden, Stämme – alle Sozialwesen entwickeln eine Rangordnung – dazu gehört die Suche nach einer Führungspersönlichkeit, die diesen Platz verdient. 

Mit dem horizontalen Respekt ist es anders: Den müssen wir einsehen – weil ein gutes Miteinander, freundlich, höflich und rücksichtsvoll, tatsächlich nicht die naheliegende Lebensweise ist! Auch wenn wir uns das nicht gerne eingestehen: Natürlicher wäre, die Rangordnung immer wieder neu auszukämpfen, um den besten Platz zu rangeln, den anderen die Ehre abzuschneiden. 

Respekt untereinander, der keine Rangordnung kennen will, sondern ein angenehmes, anerkennendes, friedliches Miteinander schafft – das ist eine Kulturleistung! 

Diese Leistung fordert Selbstdisziplin, wir erziehen einander entsprechend und entwickeln Benimm-Regeln und gesellschaftliche Codes. Diese Atmosphäre des Respekts ist fragil, nicht selbstverständlich – darum reagieren wir so empfindlich auf Respektlosigkeit – weil sie einen Wert antastet, der sich eben nicht selbst setzt und erklärt, sondern mühsam errungen worden ist.

Wie aber werde ich nun ein Mensch, der Respekt verdient – und respektvoll sein kann?

Den für mich schönsten Weg zeigt der Apostel Paulus im Neuen Testament. Er beschreibt es so:  „Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor.

Was für ein großartiger Rat fürs Miteinander: Ein Wettlauf, dem anderen zuvorzukommen im Grüßen, im Danken, im Helfen, im Anerkennen, im Wahrnehmen…. 

Für Christen kommt diese Haltung daher, dass sie wissen:

Der andere Mensch ist ebenso Gottes Geschöpf wie ich – ihm gilt, wie mir, der Auftrag, in dieser Welt zu wirken. Darin will ich ihn unterstützen. 

Und ebenso wie ich ist mein Mitmensch dem Scheitern, der Vergänglichkeit, dem Leid unterworfen – sollte ich ihm nicht darin auch mit eben der Wahrhaftigkeit, Rücksicht und Behutsamkeit begegnen, wie ich sie brauche? 

Und – braucht er nicht auch – wie ich: immer wieder Vergebung und die Chance zu einem Neuanfang? 

Mit dieser Haltung kommen wir dem anderen zuvor:

wir erbieten ihm – unter Wahrung seiner und unserer Ehre das, was existentiell an Leib und Seele nötig ist. 

Das ist für Christen Respekt. 

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